Fundamental vs. Charttechnik
11.03.09
Schauen wie zunächst einmal auf die Gefahren bei der Anlage nach rein fundamentalen Gesichtspunkten: Diese liegt in der menschlichen Psyche begründet.
Ein Anleger, der eine Aktie mit immensem Arbeitsaufwand auf ihre Fundamentals durchleuchtet hat, wird von seiner Meinung überzeugt bleiben, auch wenn die Kurse massiv gegen ihn laufen.
Er hat ja schließlich „eine Menge Arbeit in dieses Aktie gesteckt“. Das kann ja seiner Meinung nach nicht alles falsch gewesen sein.
Oft bildet sich dann ein Verhaltensmuster, das verderblicher nicht sein könnte.
Die Aktie wird verteidigt. „Sie ist eine noch unentdeckte Perle“. Den anderen Marktteilnehmern wird jegliche „Kompetenz“ abgesprochen. „Wie kann man nur so dumm sein, den Wert dieser Aktie nicht zu erkennen“. Man findet in diversen Internetforen Gleichgesinnte und spricht sich untereinander Mut zu, indem man sich gegenseitig Argumente für das Investment in diesem Wert liefert. Fallen die Kurse weiter, verabschieden sich die ersten aus der Aktie. Die letzten Standhaften fühlen sich zwar von diesen Anlegern verraten, sprechen sich weiter Mut zu und haben schlussendlich eine weitere „Aktienleiche“ in ihrem Depot.
In der Zwischenzeit ist der charttechnisch orientierte Anleger frühzeitig ausgestiegen und hat sein Kapital in einen Wert mit voraussichtlich mehr Potential gesteckt.
Ich möchte Ihnen an dieser Stelle natürlich nicht die Gefahren beim Anlegen nach charttechnischen Gesichtspunkten verschweigen.
Schließlich sehe ich in meiner tägliche Arbeit in vielen Veröffentlichungen Charttechnik, wie sie auf keinen Fall sein sollte und der „Kaffesatzleserei“ ähnelt, die den Chartisten von vielen Anlegern und Tradern vorgeworfen wird. Da wird das Konzept einer objektiven emotionslosen und effizienten Lagebeurteilung ad absurdum geführt. Es wimmelt in den Charts von Linien, Indikatoren, Retracements, Extensionen und Topbildungen. Das Ergebnis weiß zumindest mich oft nicht zu überzeugen.
Es kann meiner Meinung nach nicht angehen, dass eine grundlegende Einstellung zur Börse mit Charts „unterfüttert“ wird, die nur die Informationen enthalten, die der „Chartist“ sehen will. So suchen „Dauerbären“ immer Argumente für eine Topbildung in einem Bullenmarkt. „Dauerbullen“ suchen konstant das Tief in einem Bärenmarkt. Chartarten, die dieses zulassen, haben zumindest in meiner täglichen Arbeit keinen Platz. Der Anleger braucht eine objektive, rationale und rationelle Technik.
Hier bietet sich Point&Figure allein deswegen schon an, weil die Signale keinerlei Platz für subjektive Interpretationen lassen.




