Warten Sie noch? Oder investieren Sie schon?

Seit der DAX am vergangenen Dienstag sein ehemaliges Allzeithoch bei 8.151,57 Punkten überboten hat, hat sich die Schar der Investoren, die dies bis dahin für nicht möglich gehalten haben, deutlich verringert. Ja, der eine oder andere ist inzwischen sogar fest entschlossen, am Aktienmarkt zu investieren, wenn…

…ja, wenn der DAX noch einmal unter die 8.000er-Marke abtaucht. Schließlich notierte der deutsche Leitindex doch vor gut 3 Wochen noch bei 7.418, also über 900 Punkte niedriger. Der DAX ist also doch wohl völlig überkauft.

Ich habe für all die Wartenden da draußen eine schlechte Nachricht:

Der DAX wird so schnell nicht mehr unter 8.000 Punkte absinken

Tatsächlich können diese wartenden Investoren sogar froh und dankbar sein, wenn das Leitbarometer noch einmal in Richtung der ehemaligen Bestmarke zurückfällt. Wesentlich wahrscheinlicher ist indes, dass das Tief vom vergangenen Montag bei 8.217 Zählern für lange Zeit der niedrigste Stand bleiben wird.

So sieht die reale Angebots-Nachfrage-Situation aus

Und dafür gibt es Gründe. Schauen wir doch einmal auf die verschiedenen Anlegergruppen:

Wer bislang noch nicht investiert hat, weil er nicht an ein Überwinden des alten Allzeithochs glaubte, hat vermutlich auf einen fallenden DAX gesetzt, um vom Wahrwerden seiner Einschätzung zu profitieren.

Wer bislang investiert war, aber nicht an ein Überwinden des alten Allzeithochs glaubte, hat vermutlich in der zweiten Märzhälfte seine DAX-Aktien verkauft – vermeintlich annähernd zu Top-Kursen.

Wer im März und April investiert hat, weil er fest an neue historische Rekordmarken im Leitindex glaubte, wird sich bereits über erste feine Gewinne freuen und nun ganz sicher kein Stück aus der Hand geben.

Wer bereits investiert war, aber auf eine Bestätigung des Marktes durch neue Allzeithochs gewartet hat, ist seit dem letzten Dienstag vermutlich auf die Kaufseite gewechselt und stockt die eigenen Bestände auf.

Wer bislang noch nicht investiert war, weil er auf eine Bestätigung des Marktes durch neue Allzeithochs gewartet hat, ist seit dem letzten Dienstag auf die Kaufseite gewechselt.

Merken Sie was?

Eigentlich ist keine nennenswerte Investorengruppierung mehr vorhanden, die noch DAX-Aktien verkaufen könnte, um den Index auch tatsächlich nach unten zu drücken.

Vielmehr geraten die beiden erstgenannten Anlegergruppierungen jetzt zunehmend unter Druck:

Gruppe 1 macht sich bereits ernsthaft Gedanken über eine Verlustbegrenzung ihrer Short-Positionen.

Gruppe 2 beginnt bereits zu zweifeln, ob ihre Verkaufsentscheidung tatsächlich richtig gewesen ist.

Beide Gruppen sind potenzielle Käufer, wenn der DAX weiter steigt, weil sie dann noch auf den fahrenden Zug aufspringen wollen, um wenigstens noch etwas Rendite zu retten.

Die Nachfrage ist derzeit und mit hoher Wahrscheinlichkeit in den kommenden Wochen massiv höher als das Angebot.

Der Dow Jones hat’s vorgemacht

Falls Sie mir noch immer nicht glauben mögen, dann schauen Sie doch einmal auf die jüngste Entwicklung des Dow Jones. Der amerikanische Leitindex überquerte am 5. März dieses Jahres seine ehemalige Bestmarke von 14.198,10 aus dem Jahr 2007.

Den in der darauf folgenden Korrektur erreichten tiefsten Punkt habe ich Ihnen mit der pinkfarbenen Linie gekennzeichnet.

scs_1_130514_Dow Jones

(Zum Vergrößern bitte in die Grafik klicken!)

Sie sehen: Auch der Dow Jones hatte bis zum Zeitpunkt der Überwindung der alten Rekordmarke mehr als 1.300 Punkte zugelegt. Wer darauf gesetzt hatte, dass der Index noch einmal unter 14.000 Zähler absinkt, um günstiger einsteigen zu können, der hat bis dato lediglich die Schlusslichter gesehen.

Und die Angebots-Nachfrage-Situation hat im März auch an der Wall Street exakt so ausgesehen, wie ich sie weiter oben für den DAX beschrieben habe.

Gestern markierten DAX und Dow Jones übrigens neue Schlussrekorde – bei 8.339 und 15.215.

Warten Sie noch? Oder investieren Sie schon?

Viel Erfolg an den Börsen,

Ihr

Andreas Sommer

Ein Beitrag von: www.timingismoney.de: Zum optimalen Zeitpunkt im richtigen Markt