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Von Schneeballsystemen, Schäden, Strafen und Schutzmaßnahmen (Teil 1)

07.07.09 (Aktuelle Kommentare)

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Jörg Mahnert

Jörg Mahnert

Liebe Leser,

das Thema, das ich mir heute auf die Agenda geschrieben habe, betrifft uns alle. Es geht um Anlagebetrug. Und es geht darum, wie Sie schnell merken werden, wohin der Hase läuft und wie Sie sich dagegen schützen können. Und es geht um einen Vorgang, der nicht nur geduldet, sondern staatlich unterfüttert ist und der durchaus auch … na sagen wir mal, die Sprengkraft einer Atombombe hat.

Und es geht um die Frage, wo ein Strafmaß bei 8.290 Mrd. US-Dollar Schaden anzusiedeln wäre, wenn es für 30 Mrd. US-Dollar Schaden jüngst 150 Jahre Haft gegeben hat?

Aber nun in ‘medias res’ oder wie der Lateiner sagt (kommen wir zum Kern): Ich spanne Sie schon lange genug auf die Folter.

Schnee auch im Sommer

Sie haben sicherlich auch die folgenden Schlagzeilen gelesen und / oder die entsprechenden Medienberichte verfolgt:

Bernard L. Madoff verhaftet, ca. 30 Mrd. US-Dollar Schaden für Anleger.

Bernie Madoff’s Schneeballsystem zusammengebrochen

Niemals das Geld der Anleger investiert, stattdessen Luxusleben für Madoff

Und dann das Finale:

Bernie Madoff wegen jahrzehntelangem Anlagebetrugs zu über 150 Jahren Haft verurteilt – Schneeballsystem am Ende

Sofort stellen sich uns folgende Fragen:

Wer ist Bernhard L. Madoff? Was ist ein Schneeballsystem?

Berhard (Bernie) Madoff ist eine wohlbekannte Gestalt der US-Investment-Szene. Seit den 70er-Jahren war er als Börsenhändler und Investmentbroker tätig. In der Szene genoß er den Ruf eines soliden und vor allem hochbegabten Investmentprofis mit luxuriösem Lebensstil. Seine Anlagen brachten seinen Kunden konstante Renditen, die in ihrer geringen Schwankungsbreite eher an Festgeld denn an Anlagen an der Börse erinnerten. Tatsächlich kassierten seine Kunden scheinbar jedes Jahr unabhängig von der Börsenlage fast immer die gleiche (hohe) Rendite. Und wie hat Madoff das gemacht?

Börsenhandel faktisch ohne Schwankungen in der jährlichen Rendite. Kann es das geben?

Jeder von uns würde sich genau das wünschen. Aber  jeder von uns, der an der Börse agiert, weiß, dass gewisse Schwankungen in der Rendite einfach nicht zu vermeiden sind.

Madoff ist auch aber ganz anders vorgegangen. Er hat das Geld seiner Kunden nämlich überhaupt nicht an der Börse angelegt. Stattdessen hat er die Ausschüttungen und Auszahlungen an seine ‘Alt’-Kunden aus den kontinuierlich hereinströmenden Geldern neuer Kunden bezahlt. Genau das war ’sein Trick’: Er hat die Renditen für seine alten Kunden aus dem Geld neuer Kunden bedient. Solch eine Vorgehensweise nennt man ein Schneeballsystem.

Um ein solches Schneeballsystem aufrecht zu erhalten, brauchte er aber auch ständig neue Kunden, da sich das Geld auf der einen Seite durch Zahlungen an bestehende Kunden und auf der anderen Seite durch die Kosten seiner Firma und seines Lebenswandels reduzierte.

Dieses Spiel ging über Jahrzehnte gut, bis es zur Finanzkrise 2008 kam. Nun wollten auf einmal zu viele Kunden ihre Einlagen zurück, da sie die Verluste eigener Anlagen am Aktienmarkt ausgleichen wollten oder mussten.

Das Ergebnis: Das Schneeballsystem brach zusammen, Madoff gestand und wurde jüngst zu 150 Jahren Gefängnis verurteilt.

So schützen Sie sich davor, Opfer eines Schneeballsystems zu werden

Damit es Ihnen nicht so ergeht wie den Madoff-Geschädigten, sollten Sie nur einige einfache Punkte beachten:

1. Eine höhere Rendite als der Tagesgeldsatz wird immer mit höheren zwischenzeitlichen Schwankungen im Depot erreicht. Wird Ihnen also eine Anlageform präsentiert, die unter geringsten Schwankungen hohe Renditen erwirtschaften soll, sollten Sie misstrauisch werden

2. Wenn Sie gebeten werden, als Anleger weitere neue Anleger im Familien- und Freundeskreis zu werben, sollten Sie misstrauisch werden.

3. Wiegen Sie sich nicht in Sicherheit, wenn Ihnen prominente und bedeutende Referenzkunden einer großartigen Geldanlage(-möglichkeit) vorgestellt werden: Das ist keine Garantie für die Solidität der Anlage, sondern ist ‘Teil des Spiels’. Schließlich gehörten auch einige Banken wie die Fortis AG oder die Royal Bank of Scotland zu Madoff’s Kunden. (Nebenbei: Was diese Banken da geritten hat, wird wohl immer ein Rätsel bleiben).

Im 2. Teil meines Beitrags am kommenden Donnerstag werde ich Ihnen ein Schneeballsystem vorstellen, das scheinbar das solideste ist, das man sich vorstellen kann. Aber dessen mögliche Schadenssumme dürfte weitaus höher zu veranschlagen sein, als der Schaden, den Madoff verursacht hat.

An dieser Stelle schon einmal einen herzlichen Gruß an die Finanzminister dieser Welt. Mehr dann am kommenden Donnerstag.

Viel Erfolg an den Börsen,

Ihr
Jörg Mahnert