Überkauft,überverkauft (Teil1)
16.06.09 (Aktuelle Kommentare)
Liebe Leser,
mal ehrlich: Die Begriffe ‘überkauft‘ und ‘überverkauft‘ werden gerne im täglichen Börsengeschehen verwendet, ohne dass die Mehrzahl der Anleger eine klare Definition für diese Begriffe hat. An dieser Stelle deshalb ein Dankeschön an die Leser, die angeregt haben, das Thema ‘überkauft und überverkauft‘ doch einmal in einem Beitrag in ‘Chartanalyse-Trends‘ aufzugreifen.
Beginnen wir ganz einfach:
Es gibt keinen Käufer- oder Verkäuferüberschuss
Jedem Käufer einer Aktie steht auch ein Verkäufer gegenüber, sobald ein Kurs einer Aktie festgestellt wird. Ohne einen Verkäufer könnte der Käufer seine Aktie nicht erwerben. Genauso steht jedem Verkäufer ein Käufer gegenüber, sonst würde es keinen gehandelten Kurs geben.
Bei den Begriffen ‘überkauft‘ und ‘überverkauft‘ kann es sich also keinesfalls um einen Käuferüberschuss beziehungsweise einen Verkäuferüberschuss handeln. Das ist also schon einmal nicht des Rätsels Lösung.
Wie werden denn nun die Begriffe ‘überkauft’ und ‘überverkauft’ definiert?
Tatsächlich gibt es in der Charttechnik verschiedene Definitionen dieser Begriffe. Im allgemeinen definiert man die Zustände ‘überkauft‘ und ‘überverkauft‘ über Indikatoren. Bei Indikatoren handelt es sich um mathematische Berechnungen, deren Grundlage der bisherige Kursverlauf eines börsengehandelten Wertes ist.
Diese Indikatoren reagieren auf den Kursverlauf und zeigen an, wann sich der Kurs entweder außergewöhnlich weit nach oben oder unten bewegt hat, ohne dass es zu einem Rücksetzer gekommen wäre. Sie sehen schon, dass es sich hierbei um eine reine Definitionsfrage handelt. Denn sowohl der Durchschnitt der bisher erzielten Kurse ist frei wählbar, als auch die Definition von außergewöhnlicher Kursbewegung ohne Rücksetzer.
Manchmal länger als man glaubt
Da sich viele Anleger danach richten, ob ein Wert ‘überkauft‘ oder ‘überverkauft‘ ist, kann diese Betrachtungsweise durchaus hilfreich sein. Allerdings sollten Sie sich niemals allein auf diese Begriffe verlassen und vor allem nicht allein darauf Ihre Anlageentscheidung begründen.
Ein alte Regel an den Börsen lautet schließlich nicht umsonst: Die Märkte können viel länger in einem ‘überkauften’ Zustand steigen oder in einem ‘überverkauften’ Zustand fallen, als ein Anleger, der sich dagegen stellt, finanziell überleben kann.
So mehrten sich auch 2008 die Stimmen, dass der DAX bei 5.500 Punkten ‘überverkauft‘ sei und man nun einsteigen könne. Offensichtlich wusste der DAX zu diesem Zeitpunkt nicht, dass er ‘überverkauft‘ war und fiel einfach munter weiter bis auf 3.588 Punkte.
Verwechseln Sie daher bitte auf keinen Fall die Begriffe ‘überkauft’ und ‘überverkauft‘, die mit Indikatoren berechnet werden, mit den gleichlautenden Begriffen aus der Point&Figure-Charttechnik. Hier werden diese Marktzustände komplett anders berechnet und vor allem auch klar definiert.
Darauf gehen wir im Beitrag am kommenden Donnerstag ein und vergleichen die Ergebnisse der verschiedenen Chartarten zum Thema ‘überkauft oder überverkauft‘ anhand der aktuellen Situation der Aktienmärkte.
Viel Erfolg an den Börsen,
Ihr
Jörg Mahnert






