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Bullen auf dünnem Eis

04.06.09 (Aktuelle Kommentare)

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Jörg Mahnert

Jörg Mahnert

Liebe Leser,

an sich ist es schon erfreulich für die Bullen, was wir so jeden Tag sehen. Die Marke von 5.000 Punkten im DAX ist überwunden und kleinere Rücksetzer werden sofort wieder ‘ausgebügelt’.

Sie fragen sich sicherlich, warum wir uns zwar über diese Entwicklung freuen, aber doch nicht davon ausgehen, dass die positive Entwicklung der Aktienmärkte in den nächsten Wochen so ohne größere Rücksetzer weitergehen wird.

Die Marktbreite ist schon ein wenig zu breit

Unter der Marktbreite verstehen wir allgemein, von wie vielen Aktien ein Gesamtaufschwung an den Märkten getragen wird. Dabei kommt es – wie immer im Leben – auf das rechte Maß an. Wird ein Aktienindex nur von der außergewöhnlich positiven Entwicklung sehr weniger Aktien nach oben ‘getragen’, erweist sich diese Bewegung oft als sehr trügerisch und die Aufwärtsbewegung bricht schnell wieder in sich zusammen, wenn sich nicht mehr Aktien dieser Aufwärtsbewegung anschließen. Dann ist die Marktbreite für eine dauerhafte Aufwärtsbewegung einfach nicht gegeben.

Haben sich allerdings schon fast alle Aktien dieser Aufwärtsbewegung angeschlossen, ist auch diese Phase gefährlich. Dann besteht nämlich das Risiko einer ‘Milchmädchenhausse’. Die Marktbreite ist dermaßen angestiegen, dass immer mehr Anleger auf guten Gewinnen in ihren Aktien sitzen und jetzt nur noch die letzten Anleger ‘aufspringen’ und die Aktien zu hohen Preisen kaufen, von denen sich die erfahrerenen Anleger bereits wieder trennen.

Diese Marktbreite kann man in der Point&Figure-Charttechnik sehr einfach erfassen. Dazu bildet man den prozentualen Anteil der Aktien in einem Kaufsignal ab und setzt diese ins Verhältnis zu allen Aktien des betrachteten Index. Diese Relation nennt man den Bullisch-Percent-Index.

Dabei gibt es wie im Point&Figure gewohnt klare Definitionen, wie wir als Anleger bei welchem Marktzustand vorgehen sollten. Natürlich können wir an dieser Stelle nicht zu sehr ins Detail gehen, allerdings reicht schon ein grober Überblick, um die Brisanz der Lage zu erkennen. So gilt als Grundregel, dass ein Bullish-Percent über 70% als überkauft gilt.

Werfen wir dazu zusammen einen Blick auf den Bullish-Percent-Index des S&P500. Im Standard & Poors 500 Index sind die 500 größten US-Unternehmen enthalten; dadurch wird die Marktbreite besser abgebildet.

<strong>Bullish-Percent-Index</strong> des S&P500 über 70% und damit im überkauften Bereich

Bullish-Percent-Index des S&P500 über 70% und damit im überkauften Bereich

Wie Sie sehen, befindet sich der Bullish-Percent-Index mit nun 73% im überkauften Bereich. Werfen wir einen Blick in die Vergangenheit, dann sehen wir, dass der Bullish-Percent-Index des S&P500 spätestens im Bereich von 80% stoppte und dann wieder absank. Dieses Absinken des Bullish-Percent-Index war immer mit Kursverlusten am US-Aktienmarkt verbunden.

Nehmen wir jetzt noch die einfache Regel dazu: Fallender US-Markt = fallender DAX. Das heißt also für uns, dass wir bei der Auswahl unserer Aktien und vor allem bei deren Gewichtung im Depot sehr vorsichtig vorgehen sollten.

Solch ein hoher Bullish-Percent-Index ist nicht zwangsläufig ein Signal dafür, jetzt Puts zu kaufen. Allerdings ist er ein Warnsignal, dass uns zu erhöhter Wachsamkeit anhalten sollte.

Viel Erfolg an den Börsen,

Ihr
Jörg Mahnert